Grünes Licht für Polizeirazzien
Wie agisra ausländischen Prostituierten in den Rücken fällt
Viele Menschen können nur schwer nachvollziehen, wieso sich Prostituierten-Beratungsstellen untereinander nicht grün sind. Sie führen deren Differenzen gerne auf persönliche Zwistigkeiten zurück. Tatsächlich aber liegen dem politische Differenzen zugrunde. Die Kumpanei von Prostituierten-Beratungsstellen mit der Frankfurter Razzia-Partei CDU, wie sie im gemeinsam vollzogenen Ausschluss Doña Carmens vom ?Runden Tisch Prostitution? sichtbar wurde, beruht letztlich auf der gemeinsam geteilten Ansicht, dass von Staat und Kirche abhängige Beratungsstellen institutionell mit der Polizei kooperieren sollen und Razzien gegen ausländische Prostituierte widerspruchslos akzeptieren. Ein schlagendes Beispiel für diesen Trend lieferte agisra, eine Organisation, die nach eigenem Bekunden mit der Polizei kooperiert ? angeblich im Interesse der Prostituierten. Wie verhielt sich diese Organisation seinerzeit angesichts der verschärften Razzien gegenüber ausländischen Prostituierten in Frankfurt? ?Wir fordern die Verantwortlichen dieser Stadt zur Beendigung der Razzien auf?, hie? es im April 2000 in einem Schreiben an den Frankfurter Ordnungsdezernenten Schwarz. Bereits zwei Monate später lenkte agisra ein und änderte ihre Meinung. In einem neuen Brief vom 14. Juni 2000 erklärte man sich bereit, die ursprüngliche Forderung nach einem Stop der Razzien ?vorerst zurückzustellen?, solange der geplante ?Runde Tisch Prostitution? tagen würde. Die zwei Monate zuvor erhobene ?Forderung? nach einem Stop der Razzien wurde nun zu einem ?Wunsch?! Allerdings wünschte sich agisra nicht mehr die ?Beendigung? der Razzien, sondern nur noch deren zeitweise ?Aussetzung?! Damit nicht genug. Auch dieser Wunsch nach Aussetzung der Razzien könne seitens agisra ? zurückgestellt? werden. Damit signalisierte agisra den politisch Verantwortlichen grünes Licht für eine Razzienpolitik, die in der zweiten Jahreshälfte 2000 dann auch so richtig in Schwung kam. Welch eine erbärmliche Anbiederung an die Verantwortlichen der Frankfurter Razzienpolitik! Während über zweihundert ausländische Prostituierte im März 2000 in einem ?Aufruf an die politisch Verantwortlichen? ? abgedruckt in taz und Frankfurter Rundschau ? die Beendigung der menschenunwürdigen Razzien forderten, erklärte agisra sich gegenüber den zuständigen Politikern bereit, auf eben diese Forderung zu verzichten! So fiel man den ausländischen Frauen ganz offensichtlich in den Rücken! Agisra schrieb sogar: ?Wir haben nichts dagegen, dass den Bordellbetreibern mal etwas auf die Finger geklopft wird.? (Brief vom 14. Juni 2000) In ihrer Anbiederung an den Frankfurter Dezernenten und stellvertretenden CDU-Vorsitzenden Edwin Schwarz ging agisra noch einen Schritt weiter. Zu einer Zeit, als die Bordellrazzien auf Hochtouren liefen und Schwarz die Einberufung des Runden Tisches mit Winkelzügen hinauszögerte, um zuvor noch möglichst viele Frauen abschieben zu können, erhielt der Ordnungsdezernent mit Datum vom 4. Oktober ein weiteres Schreiben von agisra. Darin begrü?te agisra die ?vorausschauende und kompetente Weise?, mit der sich Dezernent Schwarz um eine neutrale Moderation des Runden Tisches bemühe. Agisra begrü?te ?au?erordentlich?, dass der von Amts wegen für Ordnung zuständige Dezernent die Verantwortung für den Runden Tisch übernommen und sich zur Umsetzung desselben an ein externes Team gewandt habe. Dass gerade dies eine Verschleppungstaktik des Ordnungsdezernenten ausmachte ? was auch in vielen Redebeiträgen im Frankfurter Stadtparlament so hervorgehoben wurde ? erwähnte agisra wohlweislich nicht. Von dem Lob, mit dem agisra ihn gleich kübelweise überschüttete, war Ordnungsdezernent Schwarz so angetan, dass er agisras Brief im Stadtparlament verlas, um damit die Kritik von SPD und Grünen an seiner Verzögerungstaktik hinsichtlich der Einberufung des Runden Tisches auszuhebeln. Seit der Teilnahme agisras am ?Runden Tisch Prostitution? hat man von dieser Organisation die Forderung nach Beendigung von Razzien nicht mehr vernommen. Vor diesem Hintergrund ist es nicht weiter verwunderlich, dass agisra und in ihrem Kielwasser agierenden Organisationen gemeinsam mit der CDU und anderen Vertretern des staatlichen Machtapparates am Frankfurter ?Runden Tisch Prostitution? – gegen den öffentlich bekundeten Wunsch von über einhundert ausländischen Prostituierten – für den Ausschluss von Doña Carmen vom Runden Tisch votierten. Eine solche Politik der Anbiederung an die Mächtigen geht auf Kosten der ausländischen Prostituierten. Daraus werden die betroffenen Frauen in der Prostitution mit Sicherheit ihre eigenen Schlüsse ziehen.