AUFRUF

Aufruf

Nein zur Repression gegen Sexarbeit!
Freie berufliche Betätigung in der Prostitution!

Die Bundesregierung beabsichtigt eine repressive Reglementierung der Prostitution: Melde- und Beratungszwang für Sexarbeiter/innen – jedes Jahr aufs Neue! Verschärfte Kontrolle und Entmündigung von Sexarbeiter/innen unter 21 Jahren! Erlaubnispflicht für Prostitutionsstätten – zum Zwecke einer leichteren Schließung von Etablissements! Jederzeitige anlasslose und verdachtsunabhängige Kontrollen – jeder Polizeistaat würde vor Neid erblassen! Die Liste ließe sich fortsetzen.

Dazu sagen wir: Nicht mit uns!

Sie reden von „Selbstbestimmung“.
Aber sie schaffen mehr Fremdbestimmung durch umfassende behördliche Kontrollen – ständig und überall! Unter dem Vorzeichen einer „Erlaubnispflicht“ schafft man in Wirklichkeit unzählige Kontrollanlässe, um Sanktionen, Untersagungen und Verbote zu rechtfertigen.

Sie reden von „Schutz“.
Aber sie meinen unsere totale Überwachung durch jederzeitige Kontrollen – ohne Anlass und ohne konkreten Verdacht! Sie treiben uns sehenden Auges in die Isolation der „Eine-Person-Wohnungsprostitution“. Sie nötigen uns zu Zwangsouting. Damit berauben sie uns bewährter Strategien des Selbstschutzes und machen uns vogelfrei.

Sie reden von „besseren Arbeitsbedingungen“.
Doch was „gut“ und „besser“ ist, bestimmen sie ohne uns. In Wirklichkeit vernichten sie unsere Arbeitsplätze durch Betätigungsverbote und eine gezielte Politik der Eindämmung von Prostitution. Als wären wir Aussätzige und eine Gefahr für diese Gesellschaft!

Sie reden von „Gleichstellung“.
Doch ohne mit der Wimper zu zucken zementieren sie seit Jahrzehnten geltende diskriminierende Rechtsbestimmungen gegen Prostitution. Das „älteste Gewerbe“ soll weiterhin von der Regulierung in der Gewerbeordnung ausgenommen werden – das genaue Gegenteil von Gleichbehandlung!

Wir lassen uns kein X für ein U vormachen. Und wir lassen uns nicht länger behandeln wie Menschen zweiter Klasse! Wir sind es leid, dass unsere Anregungen und Forderungen regelmäßig missachtet werden. In Talkshows präsentiert man uns als exotische Exemplare unter Artenschutz – als wäre diese repressive Toleranz nicht das genaue Gegenteil von Respekt.

Wir stellen klar:

Auf diskriminierende Sonderbehandlung und rechtliche Ausgrenzung legen wir keinen Wert! Auf „bessere Arbeitsbedingungen“ bei gleichzeitiger Fortsetzung rechtlicher Ungleichbehandlung können wir gut und gerne verzichten! Denn was nützt es Galeerensklaven, wenn sie beim Rudern angenehmer sitzen? Wir wollen nicht unter Generalverdacht stehen, wir wollen Rechte statt Razzien! Wir fordern ein Ende jeglicher Sonderbehandlung – denn weder sind wir ein „Risiko“ für den Rest der Gesellschaft, noch sind wir ‚Berufsverbrecher‘, von denen Gefahr ausgeht!

Unsere Forderungen lauten:

– Freie berufliche Betätigung in der Prostitution!
– Rechtliche Gleichstellung von Sexarbeit mit anderen Erwerbstätigkeiten!
– Regulierung von Prostitutionsstätten nach § 14 Gewerbeordnung – Schluss
mit Sonderrecht!

– Anerkennung selbständiger Prostitution als freiberufliche Tätigkeit!

Unsere Anliegen sind legitim. Dafür gehen wir auf die Straße:

Zentrale Protestaktion in Frankfurt
13. Juni 2015 – „5 vor 12“ – Opernplatz

ViSdP: „Plattform 13. Juni“, c/o Doña Carmen e.V., Elbestraße 41, 60329 Frankfurt