Bahnhofsviertelnacht 2011: Prostituiertenberatungsstelle Doña Carmen e.V. organisiert Bordellführungen für Frauen

Mit 21 Etablissements und rund 1.000 dort tätigen Frauen prägt das Prostitutionsgewerbe das Frankfurter Bahnhofsviertel. Fern ab, eine exotische Nischen-Ökonomie zu sein, ist Prostitution heute ein legalisierter Wirtschaftszweig, wo zahlreich nachgefragte sexuelle Dienstleistungen angeboten werden.

Als einzige Beratungseinrichtung vor Ort ist Doña Carmen e.V. eine sehr frequentierte Anlaufstelle für die hier tätigen Frauen sowie Sprachrohr für ihre sozialen und politischen Interessen. So unterstützt Doña Carmen – um nur ein Beispiel zu nennen – gegenwärtig den Boykott aller Bordelle im Bahnhofsviertel gegen die diskriminierende Sonderbesteuerung der Frauen nach dem so genannten „Düsseldorfer Verfahren“, wonach sie 25 € täglich via Bordellbetreiber an die Steuerfahndung abführen sollen. Und wir klären auf über aktuelle politische Bestrebungen zu erneuten Einschränkungen der Rechte von Frauen in der Prostitution.

Über diese und andere Themen informiert Doña Carmen alle Interessierten am Donnerstagabend, den 18.08.2011 anlässlich der diesjährigen Bahnhofsviertelnacht ab 19 Uhr mit einer „Nacht der Offenen Tür“ in der Beratungsstelle in der Elbestraße 41 (1. Stock). Damit trägt Doña Carmen auch in diesem Jahr in Zusammenarbeit mit dem Städtischen Presse- und Informationsamt zur Gestaltung der langen Nacht im Bahnhofsviertel bei.

Zudem bietet Doña Carmen an diesem Abend in Kooperation mit dem durch seine künstlerisch gestaltete Außenfassade bekannten ‚Crazy Sexy’ sowie mit dem ‚Eros Center My Way’ zwei Bordellführungen (nur für Frauen) an.  Die Bordellführungen mit max. 20 Personen beginnen um 20 Uhr bzw. 21 Uhr. Treffpunkt ist die Beratungsstelle Elbestraße 41 (Anmeldemöglichkeit dort am Donnerstag ab 19.00 Uhr). Die Führungen sind kostenlos. Um eine kleine Spende für die Arbeit des Vereins Doña Carmen e.V. wird gebeten.

Iranische Verhältnisse: Innenminister als selbsternannte Sittenwächter

Innenministerkonferenz für polizeiliche Reglementierung von Prostitution

Am 18./19. November 2010 hat die 191. Innenministerkonferenz (IMK) in Hamburg ein vom Bremer Innensenator Mäurer (SPD) vorgelegtes Konzept zur „stärkeren Regulierung von Prostitution“ einstimmig verabschiedet und die Bundesregierung aufgefordert, ein entsprechendes Gesetz auszuarbeiten. Nicht mal ein halbes Jahr später, im Mai 2011, hat Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) dem Votum der Innenminister unterwürfig Folge geleistet und nach Angaben von www.welt-online.de den ersten Entwurf eines „schärferen Bordellgesetzes“ vorgelegt. Ministerin Schröder ist bekennendes Mitglied der für die Rechristianisierung Europas eintretenden Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK), eine evangelikale Sekte, der auch die Familie des Zeitungsverlegers Axel Springer angehört. Da kommt zusammen, was zusammengehört.

Worum geht es bei dem geplanten neuen Prostitutionsgesetz?

Die von der IMK im November 2010 verabschiedeten Eckpunkte einer künftigen deutschen Prostitutionspolitik lassen keinen Zweifel aufkommen: Das seit 2002 geltende Prostitutionsgesetz soll gekippt werden! Es geht um eine umfassende polizeiliche Reglementierung von Frauen und Männern in der Prostitution, die auf eine demütigende Stigmatisierung der Betroffenen, auf ihre massive Entrechtung und Kriminalisierung sowie auf die Rundum-Überwachung eines gesamten Wirtschaftszweigs zielt, die jedem Polizeistaat zur Ehre gereichen würde. Das verdeutlichen die Kernforderungen der Innenministerkonferenz, „Iranische Verhältnisse: Innenminister als selbsternannte Sittenwächter“ weiterlesen

Cyber-Attacken

Unsere Website Donacarmen.de befindet sich nach diversen Cyber-Attacken wieder in der Rekonstruktion. Wir bitten um Verständnis und noch um etwas Geduld. Wir arbeiten daran. Wir danken allen aufmerksamen Leser/innen unserer Seite für Hinweise und Unterstützung.
Ihr Team von Dona Carmen e.V.

Pressemitteilung – Horrorkatalog: Ministerin Schröder plädiert für polizeiliche Reglementierung der Prostitution

Das von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder geplante „schärfere Bordell-Gesetz“ (www.welt.de, 23.04.2011) setzt auf repressives Vorgehen entsprechend den Vorgaben von Bundeskriminalamt und Innenministern: Erlaubnispflicht für Prostitutionsstätten, Anzeige- bzw. Meldepflicht der Prostituierten, Verpflichtung der Betreiber zur Überwachung des Meldeverhaltens der Prostituierten, Sanktionen bei Verstößen, grundsätzliche Vermutung einer abhängigen Beschäftigung in Prostitutionsstätten etc. Ein Horrorkatalog, der mit Geist und Buchstaben des Prostitutionsgesetzes nicht mehr das Geringste zu tun hat. Es geht um ökonomische und rechtliche Diskriminierung von Prostitution und Prostituierten durch Registrierung und Totalüberwachung, mithin um eine polizeiliche Reglementierung von Frauen in der Prostitution. Statt einer gewerberechtlichen Reglementierung von Prostitutionsstätten nach § 14 Gewerbeordnung und statt Anerkennung selbständiger Prostitutionsausübung der Frauen als freiberufliche Tätigkeit soll erneut diskriminierendes  Sonderrecht praktiziert werden.

? Die Erlaubnispflicht für Prostitutionsstätten ist eine Lizenz zum jederzeitigen polizeilichen Schließen von Prostitutionsstätten. Eine Frau zahlt ihre Steuern nicht, eine andere hat falsche Papiere: Früher hätten die betreffenden Frauen das Nachsehen gehabt, zukünftig werden alle Frauen in diesem Etablissement durch Entzug der Genehmigung ihren Arbeits-platz verlieren. Eine Kollektivstrafe! Zukünftig soll jeder, der einer Prostituierten eine Wohnung oder Zimmer  vermietet, bei den Behörden dafür einen Antrag stellen. Er wäre nicht mehr nur Vermieter einer Wohnung, sondern fortan konzessionspflichtiger Betreiber einer Prostitutionsstätte!
? Die vorherige Anzeige- bzw. Meldepflicht bei jedem Orts- bzw. Etablissementwechsel passt nicht zum mobilen Charakter der Prostitutionsausübung, führt zu bürokratischer Gän-gelung, Komplett-Registrierung und polizeilichem Zwangs-Outing der Frauen samt Kriminalisierung durch Ordnungsstrafen bei Nichteinhaltung dieser unsinnigen Vorschrift.
? Die Verpflichtung der Betreiber, das Meldeverhalten von Prostituierten zu kontrollieren, verletzt deren informationelles Selbstbestimmungsrecht: eine Stigmatisierung und Entmündigung erwachsener Frauen wie im 18. bzw. 19. Jahrhundert.
? Die grundsätzliche Vermutung einer abhängigen Beschäftigung in Prostitutionsstätten ist realitätsfern und nötigt jede Frau zur Zwangsüberprüfung jedes einzelnen Beschäftigungsverhältnisses durch die Rentenversicherung: angesichts ihrer Mobilität völlig unpraktikabel.

Doña Carmen e.V. lehnt die ganz und gar unnötigen Pläne der Ministerin als populistischen Versuch einer frauen- und prostitutionsfeindlichen Profilierung ab und fordert:

? Lebenslanger Mutterschutz für Kristina Schröder !
? Keine polizeiliche Reglementierung der Prostitution !

Frankfurt, 28. April 2011

Offener Brief an Prostituiertenorganisationen, Fachberatungsstellen, Verbände und Einrichtungen der Gesundheitsfürsorge, die mit Frauen und Männern in der Prostitution arbeiten

Gemeinsam gegen die repressive Wende in der deutschen Prostitutionspolitik!

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) beabsichtigt in allernächster Zeit ein „schärferes Bordell-Gesetz“ zu erarbeiten. Grundlinien dieses neuen Gesetzes sollen „bis Ende Mai“ ausgearbeitet sein. Schröders Fachleute „greifen nun einige der zentralen Vorschläge auf, die die Innenminister in einem gemeinsamen Papier aufgeschrieben haben“, heißt es in einem Bericht der Zeitung DIE WELT vom 23. April 2011.

Wer einen Blick wirft auf die Forderungen „Offener Brief an Prostituiertenorganisationen, Fachberatungsstellen, Verbände und Einrichtungen der Gesundheitsfürsorge, die mit Frauen und Männern in der Prostitution arbeiten“ weiterlesen