Grünes Licht fürs Rotlicht – Offener Brief

Offener Brief an alle, die es betrifft

Grünes Licht fürs Rotlicht!
Schluss mit den Verboten von Sexarbeit –
Öffnung der Prostitutionsbetriebe!
Zentrale Protestaktion: Sa, 19. Sept., Frankfurt/Main

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Mitstreiter/innen,

am Samstag, den 19. September 2020, soll in Frankfurt/Main eine zentrale Protestaktion gegen das Verbot von Prostitutionsbetrieben und Sexarbeit hierzulande stattfinden.

Dazu möchten wir Sie / Dich recht herzlich einladen!

In Anbetracht der zum Teil bis Ende August geltenden Corona-Verordnungen und in Anbetracht des prostitutionsfeindlichen Tenors der jüngsten Urteile der Verwaltungsgerichte zu Prostitutionsstätten ist davon auszugehen, dass das Prostitutionsgewerbe frühestens im September/Oktober 2020 – möglicherweise aber auch wesentlich später – wieder an den Start gehen darf. Ob dies dann nur in einzelnen oder zeitgleich in allen Bundesländern der Fall sein wird, ist momentan völlig unklar.

Das fortgesetzte Verbot von Prostitutionsstätten (zurzeit in allen Bundesländern) und das Verbot von Sexarbeit (zurzeit in acht Bundesländern) sind ein Unding.

Das trägt keineswegs zum Gesundheitsschutz bei, bedeutet aber für viele Menschen eine Vernichtung ihrer wirtschaftlichen Existenz. Es ist ein Angriff auf das grundgesetzlich garantierte Recht der freien Berufsausübung. Das wollen wir auf keinen Fall hinnehmen!

Das Prostitutionsgewerbe hat sich in verschiedenen Stellungnahmen klar und unmissverständlich für Gesundheitsschutz und für Corona-Eindämmung positioniert.

In Deutschland sind Corona-Infektionen mittlerweile im Großen und Ganzen erfolgreich zurückgedrängt worden. Das ist gut so. Lokale und regionale Corona-Hotspots, die auch in Zukunft nicht auszuschließen sind, müssen lokal und regional bekämpft werden, nicht aber mit landes- und letztendlich bundesweiten Verboten des Prostitutionsgewerbes.

Wir meinen: Wenn in den Werkshallen und Unterkünften einer Fleischfabrik im ostwestfälischen Rheda-Wiedenbrück ein Corona-Hotspot entsteht, dann kann es nicht sein, dass deshalb in Münchner Nachtclubs die Lichter ausgehen und Berliner Wohnungsbordelle ihre Türen verriegeln müssen.

Wir können und wollen nicht sehenden Auges hinnehmen, dass die wirtschaftliche Existenz von Menschen im Prostitutionsgewerbe und die bestehende prostitutive Infrastruktur auf unabsehbare Zeit in Frage gestellt und vernichtet werden.

Wir wollen eine klare Perspektive – und zwar so schnell wie möglich!

Das sollte die Prostitutionsbranche öffentlich und unmissverständlich einfordern. Deshalb die von uns geplante zentrale Protestaktion am 19. September 2020 in Frankfurt/Main.

Anliegen der bei der zuständigen Behörde bereits ordnungsgemäß angemeldeten Protestaktion (Kundgebung mit anschließendem gemeinsamen Gang durch die Frankfurter Innenstadt) ist es, öffentlichen Druck aufzubauen, dass die nach wie vor bestehenden Prostitutionsverbote nicht einen Tag länger aufrechterhalten werden können.

Wer dieses Anliegen teilt und aktiv unterstützt, ist herzlich eingeladen, sich an der Frankfurter Protestaktion zu beteiligen.

Verantwortlich für die Frankfurter Protestaktion zeichnet das Bündnis „Grünes Licht fürs Rotlicht“. Das sollten alle sein, die das gemeinsame Ziel „Schluss mit den Prostitutions-Verboten“ teilen und aktiv unterstützen. Doña Carmen e.V. versteht sich lediglich als Initiator, nicht aber als Alleinveranstalter der Aktion.

Jeder Unterstützer dieses Anliegens hat auf der Frankfurter Kundgebung Rederecht und kann die ihm wichtigen Aspekte und Anliegen vortragen. Eine wechselseitige Ausgrenzung und Kritik findet nicht statt. Bei allen Unterschieden in den Positionen und Sichtweisen, die nicht geleugnet werden sollen, und bei aller Leidenschaft, mit der Differenzen bekanntlich gepflegt und ausgetragen werden, soll an diesem Tag unter Beweis gestellt werden, dass wir – wenn es darauf ankommt – auch gemeinsam handeln können.

Jede Sexarbeiterin, jeder Sexarbeiter, jede Betreiberin, jeder Betreiber, Prostitutionskunden,  und alle Menschen und Organisationen, die für die Aufhebung der bestehenden Prostitutionsverbote sind und dagegen sind, dass Prostitution in einen informellen Sektor abgedrängt wird, können und sollten aktiver Teil dieses Bündnisses werden.

Alle Einzelpersonen und Prostitutions-Etablissements, alle Verbände und Interessensgruppen im Bereich des Prostitutionsgewerbes (wie z. B. BesD, BSD, Sexarbeit ist Arbeit, UEGD, Zukunft Rotlicht etc.) sind ausdrücklich aufgerufen, das Bündnis zu unterstützen und sich an der Protestaktion zu beteiligen. Gleiches gilt für gesellschaftliche Organisationen, die das Grundrecht auf freie berufliche Betätigung von Sexarbeiter/innen unterstützen.

Das Prostitutionsgewerbe, für das wir stehen, ist seriös, systemrelevant und sexy.

Das wollen wir öffentlich zum Ausdruck bringen und damit den Druck erzeugen, der notwendig ist, um die bestehenden Prostitutionsverbote möglichst schnell zu Fall zu bringen.

Die Notwendigkeit dafür liegt unseres Erachtens offen zutage. Sichtbare Aktivitäten sind überfällig.

Die Frankfurter Protestaktion steht nicht alternativ zu sonstigen Initiativen und Aktionen, sondern versteht sich als Ergänzung. Es ist jedoch wichtig, nicht nur isoliert gegen die jeweilige Landesverordnung vorzugehen, sondern gemeinsam mit einer zentralen Aktion bundesweit für die berechtigten Anliegen von Sexarbeiter/innen und Prostitutionsgewerbe Partei zu ergreifen.

Die Vorbereitung, Organisation und Werbung für die Frankfurter Protestaktion kostet Geld. Deswegen bitten wir um Spenden auf das Solidaritätskonto „19. September“! Jede noch so kleine (und große) Spende ist willkommen! Was übrig bleibt, kommt dem Rechtsschutz von Sexarbeiter/innen zugute, die wegen Corona in juristische Streitereien verwickelt sind.

Ein Koordinationstreffen zum gegenseitigen Austausch und zur Absprache organisatorischer Angelegenheiten ist für Samstag, 29. August 2020, 11 Uhr, in den Räumlichkeiten von Doña Carmen e.V. in Frankfurt geplant. Um Voranmeldung wird gebeten.

Wir bitten alle von den Prostitutionsverboten Betroffenen, mutig zu sein und die üblichen Bedenken gegen eine öffentliche Kundgebung und Demonstration hintanzustellen. Nehmt Euch ein Herz, verbreitet diesen Aufruf und beteiligt Euch zahlreich an der geplanten Protestaktion am

Samstag, 19. September 2020, 12 Uhr, Opernplatz, Frankfurt/Main

Schluss mit der Existenzvernichtung im Prostitutionsgewerbe!
Raus aus dem Shutdown! – Rein ins Vergnügen!

Für Rückfragen stehen wir gerne zur Verfügung:
donacarmen@t-online.de /
Tel. 069 – 7675 2880 (AB)
INFO: www.donacarmen.de

Mit freundlichen Grüßen
Team von Doña Carmen e.V.

PS
Hier der Aufruf zur Protestaktion:
https://www.donacarmen.de/aufruf-2/#more-2454

Spenden an Solidaritätskonto „19. September“:
Frankfurter Sparkasse,
DE44 5005 0201 1245 8863 61
Stichwort:     19. September