Nachruf auf Percy MacLean

Am 16. Juni 2020 starb Percy MacLean im Alter von 73 Jahren. Die Bewegung für die Rechte von Sexarbeiter/innen verliert mit ihm einen engagierten Mitstreiter und profilierten Juristen, der sich nicht zu schade war, seine Kompetenz für die Entrechteten in dieser Gesellschaft – darunter die Sexarbeiter/innen – in die Waagschale zu werfen. Als Vorsitzender Richter des Berliner Oberverwaltungsgerichts sprach er im Jahr 2000 das bahnbrechende Urteil im Café-Psst-Prozess und brachte das bis dahin unumschränkt geltende Sittenwidrigkeits-Verdikt gegen Prostitution zu Fall.

Folge dieses Urteilsspruchs war die Verabschiedung des Prostitutionsgesetzes im Oktober 2001, das feststellt, es könne „nicht mehr automatisch“ von einer Sittenwidrigkeit der Prostitution ausgegangen werden. Das Prostitutionsgesetz war ein wichtiger Schritt vorwärts auf dem Weg zur Anerkennung von Prostitution als Beruf. Für die Halbheiten des Gesetzes war Percy MacLean nicht haftbar zu machen. Sie gingen auf das Konto der damals regierenden rot-grünen Koalition und lieferten später eine Steilvorlage für den Versuch seiner Rückabwicklung durch das so genannte Prostituiertenschutzgesetz.

Frühzeitig positionierte sich Percy MacLean gegen dieses Schandgesetz. So zum Beispiel 2015 als Redner auf der von Dona Carmen organisierten Kundgebung und Demonstration gegen dieses Gesetz in Frankfurt. Als das Bundesverfassungsgericht sich 2018 weigerte, sich mit der Verfassungsklage gegen das Prostituiertenschutzgesetz zu befassen, übernahm Percy MacLean 2019 die Klage gegen die Bundesrepublik Deutschland vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Als ehemaliger Direktor des Deutschen Instituts für Menschenrechte war er ein profunder Kenner der Materie und geradezu prädestiniert, sich um diese Klage zu kümmern.  Als auch dieses Gericht auf Nichtbefassung entschied, schrieb Percy MacLean einen persönlichen Brief an den französischen Richter, der für diese Fehlentscheidung verantwortlich zeichnete.

Percy MacLean kämpfte beharrlich für seine Rechtsüberzeugungen. Er ließ sich den Schneid nicht abkaufen und nicht die Butter vom Brot nehmen.

Sein unermüdliches Engagement für die Rechte von Sexarbeiter/innen, deren Anliegen er zeitlebens verbunden blieb, sind eine Ermutigung und werden uns stets in Erinnerung bleiben.