Freierforen & Freierverhalten

Empirische Untersuchungen widerlegen Legenden über frauenverachtendes Verhalten von Prostitutionskunden

In der Sachverständigen-Anhörung des Deutschen Bundetags vom 23.09.2024 zum Thema „Sexkaufverbot“ bemühten sich zwei entschiedene Prostitutionsgegner*innen – Frau Mau (Netzwerk ella) und Herr Schönborn (Verein Neustart e.V. – Christliche Lebenshilfe Berlin) – darum, das Verhalten von Freiern in einem möglichst schlechten Licht erscheinen zu lassen.

Ihren Ausführungen zufolge seien gewalttätiges, rücksichtsloses, frauenverachtendes und rassistisches Verhalten von Freiern gegenüber Sexarbeiter*innen mittlerweile „Standard“.

Vgl. Link zum Wortprotokoll der 73. Sitzung des Familienausschusses vom 23.9.2024:

https://www.bundestag.de/resource/blob/1027456/cfb05afa4142dc583cb7660486dac91a/73-Sitzung_23-09-2024_Wortprotokoll.pdf

Diese Aussagen der Befürworter eines „Sexkaufverbots“ nehmen zwei Untersuchungen von Thomas Schmitt zum Anlass, um ihnen auf Grundlage unselektierter Berichte über bezahlte Sexkontakte nachzugehen.

Die Auswertung des Autors basiert – im Unterschied zu den auf persönlichen Eindrücken basierenden Erzählungen von Sexkaufgegnern – auf unselektierten Freierberichten über tatsächlich stattgefundene bezahlte heterosexuelle Sexkontakte mit cis-Frauen. Während sich die auf einen Monatszeitraum im August/September 2024 beziehende Analyse von Berichten im Rheinforum auf insgesamt 263 Berichte stützt, waren es im Falle des zweiten analysierten Freier-Forums (BW7-Forum) 250 Berichte bezogen auf den Zeitraum November/Dezember 2024.

Im Ergebnis kommen beide Analysen zu dem Schluss, dass sich die Aussagen von Frau Mau und Herrn Schönborn nicht bestätigen lassen. Zwei Drittel bzw. drei Viertel der Freier-Berichte waren zudem in ihrer Grundtendenz ausgesprochen positiv. Rassistische Aussagen über die kontaktierten Sexarbeiter*innen fanden sich in keiner der beiden Untersuchungen, wobei hier insgesamt 658 Freier-Berichte der Auswertung zugrunde lagen

Aufgrund des Einzugsbereichs der beiden Foren unterstellt Autor Thomas Schmitt „eine gewisse Repräsentativität für Deutschland“.

Doña Carmen e.V. empfiehlt die beiden ausgesprochen soliden, empirischen Studien allen Interessierten, insbesondere aber den politischen Entscheidungsträger*innen hierzulande, die sich schwertun mit der Frage, ob ein so genanntes „Sexkaufverbot“ möglicherweise eine Antwort auf die aktuellen Gegebenheiten des Prostitutionsgewerbes sein kann. Gegenüber dieser Annahme erweisen sich die vorliegenden Untersuchungen als starkes Gegenargument.

Auch wenn man wie Doña Carmen e.V. der Rolle des Kriminologischen Instituts Niedersachsen (KfN) als der verantwortlichen Institution für die Evaluation des Prostituiertenschutzgesetzes kritisch gegenübersteht, halten wir es doch allemal für unerlässlich, dass die damit befassten Wissenschaftler*innen des hannoveraner Instituts die hier vorgelegten, empirisch fundierten Untersuchungsergebnisse zur Kenntnis nehmen und in ihren Bericht für das Bundesfamilienministerium einfließen lassen.

Die beiden empirischen Untersuchungen von Thomas Schmitt finden Sie hier:

1.) Oktober 2024: 263 Berichte / Rheinforum (westdeutsches Freierforum) Untersuchungszeitraum 26.08. – 26.09.2024

https://pdfhost.io/v/TxJgxNd2r_Untersuchung_von_263_unselektierten_Berichten_ber_bezahlte_Sexkontakte_in_einem_westdeutschen_Freierforum

2.) Dezember 2024: 250 Berichte / BW7-Forum (südwestdeutsches Freierforum) Untersuchungszeitraum 7.10. – 13.11.2024

https://pdfhost.io/v/8pSbLKHvk_Untersuchung_von_250_konsekutiven_unselektierten_Berichten_ber_bezahlte_Sexkontakte_in_einem_sdwestdeutschen_Freierforum

Wir bitten um eine Spende / Please donate !
Frankfurter Sparkasse –
IBAN DE68 5005 0201 0000 4661 66
BIC: HELADEF 1822