Pressemitteilung

Offener Brief an den bayerischen Innenminister Joachim Herrmann

Martialische Polizeirazzia gegen Sexarbeiter*innen in  bayerischem Bordell

In einem „Offenen Brief an den bayerischen Innenminister Joachim Herrmann“ protestiert Doña Carmen e.V., Verein für die sozialen und politischen Interessen von Prostituierten, gegen das brutale Vorgehen von Polizeibeamten im Zusammenhang einer Polizeirazzia in einem bayerischen Prostitutions-Etablissement.

Die Kritik von Dona Carmen stützt sich auf ein Video, das die strittige Aktion der bayerischen Polizeibeamten dokumentiert und inzwischen auf der Website www.donacarmen.de veröffentlicht ist.

Es zeigt, wie mindestens sechs Polizisten ein Etablissement stürmen und im Begriff sind, sich mittels physischer Gewalt bzw. unter Zuhilfenahme von Rammwerkzeugen gewaltsam Eintritt in Räumlichkeiten zu verschaffen, die mutmaßlich von Sexarbeitenden genutzt werden. Das Video zeigt darüberhinaus, wie sich eine Frau bei Ankunft des Polizeikommandos ganz offensichtlich unter Angst und Schrecken in die von ihr genutzten Räumlichkeiten flüchtet, um sich vor den heranstürmenden Polizisten in Sicherheit zu bringen. Die Polizeikräfte versuchen, sich mit aggressivem und Angst einflößendem Geschrei und Lärm gewaltsam Zutritt zu den Räumlichkeiten zu verschaffen.

Doña Carmen e.V. sieht darin einen Fall ungerechtfertigter Polizeigewalt gegenüber Sexarbeiter*innen, der jedem Polizeistaat zur Ehre gereichen würde. Doña Carmen bezeichnet derartige Hetzjagden auf Sexarbeiter*innen als zutiefst menschenunwürdig und als mit rechtsstaatlichen Standards unvereinbar.

Der Verein hat gegen die an der Aktion beteiligten Beamten Dienstaufsichtsbeschwerde eingelegt und den zuständigen bayerischen Innenminister Joachim Herrmann aufgefordert,
den in Frage stehenden Vorfall einer genauen Prüfung zu unterziehen.
Zudem müsstenMaßnahmen ergriffen werden, die verhindern, dass derartiges Vorgehen sich wiederholt

Dona Carmen e. V.  fordert Staatsminister Herrmann auf, sich bei den von der martialischen Polizeiaktion betroffenen Sexarbeiter*innen und auch öffentlich für das Vorgehen seiner Beamten zu entschuldigen.