Pressemitteilung – Doña Carmen e.V. widerspricht der „positiven Jahresbilanz“ der Stadt Frankfurt zur Umsetzung des Prostituiertenschutzgesetzes

In einem „Offenen Brief an die Frankfurter Stadtverordneten“ hat Doña Carmen e.V. dezidiert Stellung bezogen zu den Ausführungen der Dezernenten Stefan Majer (Gesundheit) und Markus Frank (Ordnung), mit denen sie der Öffentlichkeit eine angeblich „positive Jahresbilanz“ hinsichtlich der Umsetzung des Prostituiertenschutzgesetzes vorgaukeln.

Weder könne davon die Rede sein, dass sich – wie behauptet – bereits mehr als zwei Drittel der Frankfurter Sexarbeiter/innen bei hiesigen Behörden angemeldet haben, noch könne von einer Akzeptanz des Hurenpasses oder gar des Prostituiertenschutzgesetzes unter Sexarbeiter/innen die Rede sein. Beides wird von den Betroffenen vielmehr abgelehnt.

Doña Carmen e.V. kritisiert die von Unkenntnis und selektiver Wahrnehmung geprägte öffentliche Stellungnahme der Dezernenten. Sie unterschlägt insbesondere die fatalen Folgen der seit dem 24.01.2018 in Kraft getretenen hessischen Verordnung zur Umsetzung des Prostituiertenschutzgesetzes, die einen regen interkommunalen Anmeldetourismus zur Folge hat.

Die Stellungnahme von Majer/Frank betreibe nicht nur Desinformation, sondern zeichne sich durch eine „Perversität des Denkens“ aus: Der auf Sexarbeiter/innen ausgeübte Zwang werde immer dann geleugnet, wenn er vom Staat ausgeht.

Es sei ein Faktum, so Doña Carmen, dass die in Frankfurt tätigen Sexarbeiter/innen mehrheitlich nicht freiwillig, sondern unter Druck der um ihre Konzession fürchtenden Bordellbetreiber zur Vornahme der Registrierung veranlasst wurden. Die Bordellbetreiber haben damit den auf sie im Kontext der Erlaubnispflicht ausgeübten staatlichen Druck kurzerhand an die Frauen durchgereicht.

Die Dezernenten Majer/Frank spielen diesbezüglich ‚Blinde Kuh‘ und unterschlagen solche Zusammenhänge, um Sexarbeiter/innen als glückliche Menschen darzustellen, die mit der ihnen gegenüber ausgeübten Repression zufrieden seien. Sich selbst präsentieren sie als selbstlose Wohltäter, denen es nicht um Registrierung, sondern in erster Linie um Hilfsangebote gehe.

Doña Carmen e.V. fordert die Frankfurter Stadtverordneten auf, sich nicht von der vermeintlich „positiven Jahresbilanz“ der Dezernenten Majer/Frank zum Prostituiertenschutzgesetz blenden zu lassen, sondern sich von dieser Art Desinformation der Öffentlichkeit klar zu distanzieren.