Pressestatement

Zoff um Augsburger Bordellrazzia

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann rechtfertigt gegenüber dem Prostituiertenverein Doña Carmen e.V. polizeilichen Vandalismus bei Augsburger Bordellrazzia

In einem Schreiben an den Frankfurter Prostituiertenverein Doña Carmen e.V. verwahrt sich Bayerns Innenminister Joachim Herrmann gegenüber Kritik an rabiaten Polizeimethoden bei einer Razzia in einem Augsburger Bordell. Der Verein Doña Carmen e.V. hatte zuvor ein ihm zugespieltes Video auf der Website des Vereins online gestellt. Das Video dokumentiert Ausschnitte des fragwürdigen Polizeieinsatzes. Der Verein leitete das Video an den zuständigen bayerischen Innenminister Herrmann weiter mit der Bitte um eine Stellungnahme.

Innenminister Herrmann rechtfertigt nun in seinem Antwortschreiben (10.08.2026) den von Doña Carmen kritisierten „polizeilich exekutierten Vandalismus“ als „verhältnismäßig“ und „zur Aufklärung des Sachverhalts geeignet und erforderlich“. Was Doña Carmen kritisiere sei nichts anderes als ein Beispiel für „entschlossenes Eingreifen des Rechtsstaates“, das überdies nicht im Gegensatz zum Schutz der in der Prostitution tätigen Sexarbeiterinnen stehe.

 Diese Reaktion des Bayerischen Innenministers veranlasst den Frankfurter Prostituiertenverein zu einer geharnischten Erklärung.
https://www.donacarmen.de/wp-content/uploads/04-Erkl%C3%A4rung-1.pdf)

 Darin wertet Doña Carmen e.V. die Einlassungen des bayerischen Innenministers als „unangemessene Verharmlosung von Polizeigewalt gegenüber Sexarbeiter*innen“. Der in Frage stehende Polizeieinsatz habe weniger der Aufklärung von kriminellen Handlungen, als vielmehr der Einschüchterung von Sexarbeiter*innen durch eine Demonstration staatlicher Macht und lächerliches Imponiergehabe der beteiligten Einsatzkräfte gedient. Die betroffenen Sexarbeiter*innen seien dabei allesamt wie Kriminelle und als unter Generalverdacht stehende Personen behandelt worden.

Doña-Carmen-Sprecherin Juanita Henning erklärt dazu:
„Wenn etwas den hiesigen Rechtsstaat tatsächlich beschädigt, so sind es gerade solch überbordende, aus dem Ruder laufende Polizeiaktionen, bei denen sich die dabei eingesetzten Beamten offenbar wegen des „Überraschungsmoments“ unbeobachtet fühlen und glauben, sich wie die Axt im Walde aufführen zu können.“

Mit seiner „Erklärung“ wendet sich der Frankfurter Prostituiertenverein auch an die Augsburger Stadtgesellschaft mit der Aufforderung, sich einzumischen und Position zu beziehen: „Die Augsburger Stadtgesellschaft hat in einer lebendig und kontrovers geführten Auseinandersetzung anlässlich der beiden unrühmlichen City-Club-Razzien dieses Jahr Streitkultur und Zivilcourage bewiesen. Schafft man das auch, wenn es mal nicht um die Technoparty-Szene, sondern um den unsäglichen Umgang mit Sexarbeiter*innen in Augsburg geht?“, fragt Doña Carmen e.V..

Doña Carmen e.V. fordert, sich einmal in die Lage der von martialischen Bordell-Razzien betroffenen Frauen zu versetzen und die Welt nicht nur durch eine schlichte Räuber-und-Gendarm-Brille zu betrachten.

Am Vorwurf der Unverhältnismäßigkeit der vom Polizeipräsidium Schwaben Nord zu verantwortenden Augsburger Bordellrazzia hält der Verein nach wie vor fest und verweist dabei auf einen größeren Zusammenhang: Das von der Razzia betroffene Bordell sei kurz darauf geschlossen worden. Alles andere als purer Zufall, mutmaßt Juanita Henning, die Sprecherin des Vereins.

Denn Bayern hatte nach Angaben des Statistischen Bundesamts 2017 noch 578, im Jahr 2025 aber lediglich 368 Prostitutionsgewerbe. Mit diesem Rückgang von mehr als einem Drittel binnen neun Jahren ist der Freistaat bundesweit einsamer Spitzenreiter, was die Abwicklung des Prostitutionsgewerbes und damit des Angebots sexueller Dienstleistungen unter dem Prostituiertenschutzgesetz betrifft.

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