Offener Brief an die Abgeordneten des Hessischen Landtags – Für eine rechtsstaatskonforme Besteuerung von Frauen in der Prostitution!

Sehr geehrte Damen und Herren,

stellen Sie sich bitte für einen Moment vor, Sie wohnen zur Miete und Ihr Vermieter käme jeden Tag zu Ihnen, um eine Tagespauschale von 25 € als Vorauszahlung auf Ihre Steuerschuld zu kassieren. Ihr Vermieter versichert Ihnen, Sie bräuchten sich selbstverständlich keine Sorgen zu machen, denn die angesammelten Beträge würden alle drei Monate „Offener Brief an die Abgeordneten des Hessischen Landtags – Für eine rechtsstaatskonforme Besteuerung von Frauen in der Prostitution!“ weiterlesen

Pressemitteilung – Anzeige gegen Polizisten am Straßenstrich

Frankfurt, den 20.09.2011

Die Anweisung der Polizei gegenüber Frauen auf dem Straßenstrich, sich an der Theodor-Heuss-Allee erst nach dem Ortseingangsschild stadteinwärts zu postieren, nicht aber bereits ab der Kreuzung Theodor-Heuss-Allee / Philip-Reiss-Straße, ist eine rechtswidrige Verkürzung des in der Sperrgebietsverordnung ausgewiesenen Straßenstrichs stadteinwärts um 150 m und damit um gut ein Drittel.

Doña Carmen sieht in diesem Verhalten „Pressemitteilung – Anzeige gegen Polizisten am Straßenstrich“ weiterlesen

Schlampiger Journalismus: Prostituierte und Slutwalk-Demonstrationen

In der FAZ vom 15. August 2011 erschien unter der Überschrift „‚Schlampen‘ tragen keine Schuld“ ein Bericht über den am 13.08. stattgefundenen Slutwalk (Schlampenmarsch) in Frankfurt/Main. In dem Bericht wird fälschlicherweise behauptet, Dona Carmen vertrete die Auffassung, die Schlampenmärsche „trügen selbst zur Stigmatisierung der Opfer bei“. Das ist nicht die Auffassung von Dona Carmen. Wir bedauern es, dass die Positionen von Dona Carmen derart verzerrt wiedergegeben wurde. Richtig ist, dass wir einige Aspekete der Slutwalk-Bewegung recht kritisch bewerten. Falsch ist, dass wir gegenüber den Organisatorinnen oder Beteiligten dieser Aktion irgendeine Schuldzuweisung der genannten Art vorgenommen hätten. Das steht uns gar nicht zu. Für Interessierte nachfolgend die uns von der Journalistin der FAZ im Vorfeld gestellten Fragen sowie unsere Antworten darauf.

Fragen und Antworten

Email von FAZ an Dona Carmen e.V.

Betreff: FAZ Slutwolk – Arikel
Von: „hospirmz <hpr@faz.de>
Datum: Thu, 11 Aug 2011 15:00:11 +0200
An: <DonaCarmen@t-online.de>

Sehr geehrte Damen und Herren,

anbei schicke ich Ihnen die Fragen für einen Artikel über den Slutwalk am Samstag, 13. August 2011, in Frankfurt/Main. Ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie mir diese bis morgen, Freitag, den 12. August, beantworten könnten. Herzlichen Dank!

Mit freundlichen Grüßen,
Sarah Buch

1.) Warum nehmen Sie am Slutwalk nicht teil?
2.) Wie seht ihr den Slutwalk? Vertritt diese Bewegung die Interessen von Prostrituierten?
3.) Was wäre aus Ihrer Perspektive eine bessere Form, um auf die Probleme in der Prostitution aufmerksam zu machen?
4.) Wie viele Prostituierte gibt es in etwa in Frankfurt/ Hessen?
5.) Welche andere „Randgruppen“ würden vermeintlich vom Slutwalk vertreten, sind es aber nicht?

Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH
Hellerhofstraße 2-4 ·  60327 Frankfurt am Main
HRB 7344 . Amtsgericht Frankfurt am Main
Vorsitzender des Aufsichtsrats: Prof. Dr. Wolfgang Bernhardt
Geschäftsführung: Tobias Trevisan (Sprecher), Dr. Roland Gerschermann

Email von Dona Carmen e.V. an FAZ

Betreff: Antwort / Walk
Von: Dona Carmen <donacarmen@t-online.de
Datum: Fri, 12 Aug 2011 11:35:11 +0200
An: sarahjbuch@gmail.com, hpr@faz.de

Sehr geehrte Frau Buch,

anbei die Skizzierung der Position von Dona Carmen e.V. zur Slutwalk-Bewegung, die wir versucht haben, kurz auf den Punkt zu bringen. Im Unterschied zur Fachberatungsstelle Hydra in Berlin, die sich an der dortigen Demonstration beteiligen will, sehen wir aus den unten angegebenen Gründen darin keinen Sinn.

Ich hoffe, die Ausführungen sind für Sie hilfreich.

Mit freundlichen Grüßen

Juanita Henning
Sprecherin Dona Carmen e.V.

1.) Warum nehmen Sie am Slutwalk nicht teil?

Die Befürworter/innen des Slutwalks gehen auf die Straße, um einen Mythos zurückzuweisen: dass Opfer sexualisierter Gewalt diese selbst zu verantworten hätten. Mag sein, dass einige unbelehrbare Zeitgenossen solchen Vorstellungen anhängen. Es scheint aber doch in hohem Maße zweifelhaft, dass ein solcher Mythos hier bei uns tatsächlich in nennenswertem Maße alltagswirksam ist. Wenn schon demonstrieren, dann bitte schön für konkrete soziale und politische Verbesserungen, für Gesetzesänderungen etc. Aber keine Demos gegen nebolöse Mythen.

Zudem bedienen sich die Organisatorinnen selbst eines Mythos, nämlich des krawall-feministischen Mythos, dass insbesondere Frauen einer Kultur der permanent drohenden Vergewaltigung, einer allenthalben weit verbreiteten „sexualisierten Gewalt“ ausgesetzt seien. In wissenschaftlichen Auftragsarbeiten für das Bundesfamilienministerium wird selbst das harmlose Hinterherpfeifen nach einer Frau als „sexuelle Belästigung“ und somit als Form „sexualisierter Gewalt“ eingestuft (vgl. Bundesfamilienministerium (Hrg.), Lebenssituatuation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland, Bielefeld 2004). So konstruiert man vermeintliche Opfer. Und anstatt sich mit der Funktion derart problematischer, weil inflationärer Vorstellungen von „sexualisierter Gerwalt“ und ihrer vermeintlichen Opfer inhaltlich zu befassen, verbleiben die Organisatorinnen des Slutwalk auf dem Niveau einer Auseinandersetzung um Befindlichkeiten, die über eine politisch naive Bauchnabelschau nicht hinauskommt.

Man kokettiert selbst mit dem Status eines potentiellen Opfers und inszeniert sich medial. Die Gefahr einer missbräuchlichen Instrumentalisierung sieht man gar nicht: Unter dem Label des Kampfs gegen „sexualisierte Gewalt“ hat in den USA längst ein konservatives Bündnis von religiösen und pseudo-feministischen Grüppchen zusammengefunden, die eine zweifelhafte neue Prüderie auf ihre Fahnen geschrieben haben. Eine Auseinandersetzung damit findet nicht statt.
Bezeichnenderweise spielen konkrete Forderungen für die Rechte von Prostituierten in der Slutwalk-Bewegung keine Rolle – obwohl doch der Begriff ‚Schlampe‘ seit Jahrhunderten Frauen in die Nähe der stigmatisierten Prostituierten rücken sollte. Stattdessen der naive Glaube, man könne die latente Diskriminierung von Frauen, die promiskuitiv leben oder sich freizügig kleiden durch eine positive Besetzung der auf Sie gemünzten Schimpfwörter abwenden.

2.) Wie seht ihr den Slutwalk? Vertritt diese Bewegung die Interessen von Prostrituierten?

Die aktuellen Interessen der Prostituierten richten sich auf eine Beendigung der permanenten Polizeirazzien, auf eine Legalisierung der Prostitutionsmigrantinnen aus Nicht-EU-Staaten, auf eine steuerrechtliche Gleichbehandlung, die mit den Versuchen der Einführung einer täglich erpressten 25-Euro-Pauschalsteuer unterlaufen werden soll, auf eine Anerkennung von Prostitution als freiberufliche Tätigkeit, – kurzum auf eine rechtliche Gleichbehandlung mit anderen Berufen. Von derart konkreten politischen Forderungen sind die Slutwalk-Organisatorinnen meilenweit entfernt. Insofern vertreten sie nicht die Interessen der Prostituierten. Im Gegenteil: Das Kokettieren mit dem Status des potentiellen Opfers sexualisierter Gewalt ist hinderlich für eine zukünftige Interessensannäherung. Denn seit Jahren und Jahrzehnten werden Prostituierte permanent als „Opfer“ von sexualisierter Gewalt, als Opfer von Armut, als Opfer von Zuhältern und Menschenhändlern, als Opfer von Freiern etc. etc. dargestellt, um sie als nicht selbst bestimmungsfähige „Randgruppe“ stigmatisieren zu können. Insofern ist die in der Slutwalk-Bewegung allenthalben zu registrierende unkritische Bezugnahme auf einen potentiellen Opferstatus tatsächlich kontraproduktiv und wenig zukunftsweisend.

3.) Was wäre aus Ihrer Perspektive eine bessere Form, um auf die Probleme in der Prostitution aufmerksam zu machen?

Aus unserer Sicht geht es nicht in erster Linie um eine „bessere Form“, um auf Probleme in der Prostitution aufmerksam zu machen, sondern vor allem um die Klärung inhaltlich begründeter politischer Forderungen. Die Form ist gegenüber den Inhalten völlig zweitrangig. Auch dies sieht die Slutwalk-Bewegung so offenbar nicht. Aber was ja nicht ist, kann ja noch werden. Dona Carmen e.V. hat einige brauchbare Formen entwickelt, um auf Probleme im Umgang mit Prostitution zu verweisen: Bordellführungen wie jetzt in der Frankfurter Bahnhofsviertelnacht, Kunstaktionen im städtischen Raum, Protestkundgebungen vor Behörden, Zeitungsanzeigen betroffener Frauen aus der Prostitution in der Tagespresse, Gespräche mit Politikern. Zugegeben: hier fehlt der Glamour-Faktor. Aber ohne das harte Brot der täglichen Lobby-Arbeit geht gar nichts. Eine mediale Inszenierung a la Slutwalk kann das nicht ersetzen.

4.) Wie viele Prostituierte gibt es in etwa in Frankfurt/ Hessen?

Es gibt allein in Frankfurt nach unseren Zählungen in den Bordellen, Saunaclubs und auf dem Straßenstrich insgesamt rund 2.000 Frauen, die hier in der Prostitution arbeiten. In ganz Hessen dürften es zusammengenommen schätzungsweise um die 5.000 Frauen sein.

5.) Welche andere „Randgruppen“ würden vermeintlich vom Slutwalk vertreten, sind es aber nicht?

Um es klarzustellen: Prostituierte sind keine Randgruppe, sie werden erst durch Stigmatisierung und rechtliche Ausgrenzung zu einer solchen gemacht. Geht man von der zahlenmäßigen Größe einer Berufsgruppe aus, könnte man genauso gut Banker als eine gesellschaftliche Randgruppe bezeichnen. Sie sind im Unterschied zu Prostituierten allerdings nicht diskriminiert. Wir erwarten auch nicht von einer Slutwalk-Bewegung, dass sie nur diverse Randgruppen vertritt, sondern sich realer Probleme annimmt. Beispielsweise der Probleme der ca. 4 Millionen Alleinerziehenden, die erst vor wenigen Tagen durch einen skandalösen Richterspruch des BGH, wonach sie einen Vollzeitjob anzunehmen haben, sobald ihre Kinder drei Jahre alt sind, ökonomisch massiv diskriminiert wurden. Das sind die realen Probleme, die es verdienen, mit scharfen Protestaktionen aufgegriffen zu werden, nicht aber Fragen der Kleiderordnung von Frauen und darauf bezogene Vergewaltigungsmythen. Das sind vergleichsweise luxuriöse Anliegen einer bauchnabelfixierten Mittelschichtsbewegung.

 

 

 

Bahnhofsviertelnacht 2011: Prostituiertenberatungsstelle Doña Carmen e.V. organisiert Bordellführungen für Frauen

Mit 21 Etablissements und rund 1.000 dort tätigen Frauen prägt das Prostitutionsgewerbe das Frankfurter Bahnhofsviertel. Fern ab, eine exotische Nischen-Ökonomie zu sein, ist Prostitution heute ein legalisierter Wirtschaftszweig, wo zahlreich nachgefragte sexuelle Dienstleistungen angeboten werden.

Als einzige Beratungseinrichtung vor Ort ist Doña Carmen e.V. eine sehr frequentierte Anlaufstelle für die hier tätigen Frauen sowie Sprachrohr für ihre sozialen und politischen Interessen. So unterstützt Doña Carmen – um nur ein Beispiel zu nennen – gegenwärtig den Boykott aller Bordelle im Bahnhofsviertel gegen die diskriminierende Sonderbesteuerung der Frauen nach dem so genannten „Düsseldorfer Verfahren“, wonach sie 25 € täglich via Bordellbetreiber an die Steuerfahndung abführen sollen. Und wir klären auf über aktuelle politische Bestrebungen zu erneuten Einschränkungen der Rechte von Frauen in der Prostitution.

Über diese und andere Themen informiert Doña Carmen alle Interessierten am Donnerstagabend, den 18.08.2011 anlässlich der diesjährigen Bahnhofsviertelnacht ab 19 Uhr mit einer „Nacht der Offenen Tür“ in der Beratungsstelle in der Elbestraße 41 (1. Stock). Damit trägt Doña Carmen auch in diesem Jahr in Zusammenarbeit mit dem Städtischen Presse- und Informationsamt zur Gestaltung der langen Nacht im Bahnhofsviertel bei.

Zudem bietet Doña Carmen an diesem Abend in Kooperation mit dem durch seine künstlerisch gestaltete Außenfassade bekannten ‚Crazy Sexy’ sowie mit dem ‚Eros Center My Way’ zwei Bordellführungen (nur für Frauen) an.  Die Bordellführungen mit max. 20 Personen beginnen um 20 Uhr bzw. 21 Uhr. Treffpunkt ist die Beratungsstelle Elbestraße 41 (Anmeldemöglichkeit dort am Donnerstag ab 19.00 Uhr). Die Führungen sind kostenlos. Um eine kleine Spende für die Arbeit des Vereins Doña Carmen e.V. wird gebeten.

Iranische Verhältnisse: Innenminister als selbsternannte Sittenwächter

Innenministerkonferenz für polizeiliche Reglementierung von Prostitution

Am 18./19. November 2010 hat die 191. Innenministerkonferenz (IMK) in Hamburg ein vom Bremer Innensenator Mäurer (SPD) vorgelegtes Konzept zur „stärkeren Regulierung von Prostitution“ einstimmig verabschiedet und die Bundesregierung aufgefordert, ein entsprechendes Gesetz auszuarbeiten. Nicht mal ein halbes Jahr später, im Mai 2011, hat Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) dem Votum der Innenminister unterwürfig Folge geleistet und nach Angaben von www.welt-online.de den ersten Entwurf eines „schärferen Bordellgesetzes“ vorgelegt. Ministerin Schröder ist bekennendes Mitglied der für die Rechristianisierung Europas eintretenden Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK), eine evangelikale Sekte, der auch die Familie des Zeitungsverlegers Axel Springer angehört. Da kommt zusammen, was zusammengehört.

Worum geht es bei dem geplanten neuen Prostitutionsgesetz?

Die von der IMK im November 2010 verabschiedeten Eckpunkte einer künftigen deutschen Prostitutionspolitik lassen keinen Zweifel aufkommen: Das seit 2002 geltende Prostitutionsgesetz soll gekippt werden! Es geht um eine umfassende polizeiliche Reglementierung von Frauen und Männern in der Prostitution, die auf eine demütigende Stigmatisierung der Betroffenen, auf ihre massive Entrechtung und Kriminalisierung sowie auf die Rundum-Überwachung eines gesamten Wirtschaftszweigs zielt, die jedem Polizeistaat zur Ehre gereichen würde. Das verdeutlichen die Kernforderungen der Innenministerkonferenz, „Iranische Verhältnisse: Innenminister als selbsternannte Sittenwächter“ weiterlesen