Pressemitteilung – Kürzungs-Pläne für Nachtbus am Frankfurter Straßenstrich inakzeptabel und dreist

Doña Carmen e.V. protestiert gegen die bekannt gewordenen Kürzungs-Pläne hinsichtlich der Betreuung von Prostituierten am Straßenstrich an der Theodor-Heuss-Allee in Frankfurt. Das Betreuungsangebot des Nachtbusses besteht seit mittlerweise über 20 Jahren und war zu Beginn der 90er Jahre von der HWG („Huren wehren sich gemeinsam“) erkämpft worden.

Eine Einschränkung dieses Unterstützungsangebots wäre ein Schlag gegen die betroffenen Frauen, ist politisch inakzeptabel und dreist. Klar ist: Wer im heißen Sommer den Nachtbus wegkürzt, wird im kalten Winter Krokodilstränen über die „armen Frauen“ am Straßenstrich vergießen und als nächsten Schritt die Abschaffung des Straßenstrichs fordern.

Das Vorschieben von Kostengründen kann nicht verdecken, dass der gegenwärtige Frankfurter Ordnungsdezernent Markus Frank offensichtlich ein Problem mit gesellschaftlichen Minderheiten hat. Erst die Schließung des Occupy-Camps, und jetzt zum wiederholten Male der Straßenstrich an der Theodor-Heuss-Allee im Visier. Beide Male werden Roma-Frauen öffentlich als „Problem“ hingestellt.

Diskussionswürdig ist aus Sicht von Doña Carmen e.V. allerdings das Konzept des Nachtbusses. Es liegt auf der Hand, dass er keine Akzeptanz unter den Frauen finden kann, solange er von einem polizei-nahen christlichen Verein wie FIM getragen wird und das Ordnungsdezernat per Mitfinanzierung die Zielvorgaben („Ausstieg aus der Prostitution“) der Betreuung beeinflusst. Offensichtlich hat es sich noch nicht bis zum Frankfurter Ordnungsamt herumgesprochen, dass Prostitution in Deutschland seit 2002 den Schutz des Artikels 12 GG (Berufswahlfreiheit) genießt. Dies gilt auch für die Arbeit der Frauen am Straßenstrich. Menschenunwürdig ist daher nicht – wie vielfach behauptet – der Straßenstrich selbst, sondern die ständige generalisierende Stigmatisierung der dort tätigen Frauen als „schwach“, „unerfahren“ oder „gewaltbetroffen“, wofür es keine stichhaltigen Belege gibt.

Grundlage für die zu erhaltende Betreuung durch den Nachtbus muss wieder eine akzeptierende Arbeit mit den Frauen werden. Anzustreben ist, dass das Ordnungsamt sich aus der Finanzierung des Nachtbusses zurückzieht und die ungekürzte Unterstützung des Projekts zukünftig vom Gesundheitsamt übernommen wird. Dies muss seitens der Stadt Frankfurt sichergestellt werden.