Pressemitteilung – Polizeiliche Großrazzia als hohler Aktionismus und Diskrimnierung

Doña Carmen e.V. verurteilt die gestrige Großrazzia der Polizei im Frankfurter Bahnhofsviertel. Die auslösenden Messerstechereien sind mit hoher Wahrscheinlichkeit – das weiß jeder im Viertel, und das dürfte auch die Polizei wissen  – dem Milieu der kleinkriminellen Drogendealer und Drogennutzer zuzurechnen.

Wenn der Polizei dagegen nichts Besseres einfällt als die Absperrung ganzer Straßenzüge (Abschnitte der Moselstraße, Taunusstraße, Elbestraße), dann stellt sie sich selbst ein Armutszeugnis aus. Die offizielle Version, man habe das Problem der Drogenabhängigkeit im Griff, fällt wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Anstatt das offen einzugestehen und nach alternativen Lösungswegen jenseits der geballten Ansiedlung von drei / vier Druckräumen im Bahnhofsviertel nachzudenken, stigmatisiert man erneut das gesamte Viertel, indem man mehrere Kessel bildet und nahezu 500 Menschen kontrolliert.

Leidtragende des Vorgehens der Polizei sind vor allem die Frauen, die abends in den Laufhäusern der Prostitution nachgehen. Durch die Sperrung der Straßen und die Kontrolle ihrer Kunden, werden sie um ihren Verdienst gebracht.

Wenn bei dieser Gelegenheit – so wie gestern abend geschehen – auch noch die Meldebescheinigungen der Frauen in den Laufhäusern kontrolliert werden, obwohl sie mit den ganzen Vorfällen nichts zu tun haben, so ist das nichts anderes als hohler Aktionismus, der nur andere in Mitleidenschaft zieht und das Bahnhofsviertel stigmatisiert.

Doña Carmen e.V. wendet sich entschieden gegen martialische Polizeieinsätze, mit denen versucht wird, das Problem der Drogenabhängigkeit und das der legalen Prostitutionsausübung in einen Topf zu werfen. Tatsächlich handelt es sich um zwei völlig unterschiedliche Sachverhalte. Kriminalitätsbekämpfung darf nicht zum Persilschein für eine Diskriminierung der im Viertel tätigen Prostituierten werden.