Teilerfolg für Doña Carmen im Konflikt mit ARD-Magazin ‚Panorama‘

Aufgrund einer Beschwerde von Doña Carmen über die tendenziöse, prostitutionsfeindliche Berichterstattung des ARD-Magazins ‚Panorama‘ zum Prostitutionsgesetz („Liberales Prostitutionsgesetz: Wie Deutschland zum Puff Europas wurde, Sendung vom 29.09.2011) hat nun der Stellvertretende Intendant des NDR, Dr. Arno Beyer, eine erneute Stellungnahme der ‚Panorama‘-Redaktion zur Kritik von Doña Carmen eingefordert.

Sowohl das Schreiben von Dr. Beyer als auch die vom ‚Chefredakteur Fernsehen‘, Andreas Cichowicz, unterzeichnete neue ‚Panorama‘-Stellungnahme sind sichtlich darum bemüht, die Kritik Doña Carmens an der damaligen ‚Panorama‘-Sendung sowie an der von ‚Panorama‘ ins Internet gestellten Mitteilung („EU-Studie: Mehr Menschenhandel durch liberales Prostitutionsgesetz“) zu einem bloßen „Debattenthema“ herunterzuspielen, dem man keine „fehlerhafte Tatsachenbehauptung“ nachsagen könne.

Wir erinnern uns: Die ‚Panorama‘-Mitteilung im Internet lautet: „EU-Studie: Mehr Menschenhandel durch liberales Prostitutionsgesetz“. Exakt mit Bezug auf diese Aussage schlussfolgert die ‚Panorama‘-Redaktion: „Damit ist das rotgrüne Prostitutionsgesetz – eines der liberalsten Prostitutionsgesetze der Welt – in der Praxis gescheitert.“

Wenn NDR-Verantwortliche in all dem keine „Tatsachenbehauptung“ mehr zu erkennen vermögen,  ist es um die Qualität des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in der Tat schlecht bestellt. Wenn der Stellvertretende NDR-Intendant zudem schreibt: „Gerade der Zusammenhang zwischen Menschenhandel und dem Prostitutionsgesetz wird von Experten der Polizei als erhebliches Problem gesehen“, so verdeutlicht er, welcher Sichtweise er sich verpflichtet fühlt: jener der Polizei. Auch die beigefügte Stellungnahme der ‚Panorama‘-Redaktion bemüht den BKA-Mythos von „Menschenhandel als Kontrolldelikt“ und behauptet, „dass seriöse Forschungen zum Thema Menschenhandel sich immer nur auf Schätzungen berufen können, da die zuständigen Ermittlungsbehörden von einem großen Dunkelfeld ausgehen.“
Offenbar bilden Annahmen „zuständiger Ermittlungsbehörden“ aus Sicht der NDR-Verantwortlichen den Rahmen für „seriöse Forschungen“ zum Thema ‚Menschenhandel‘.

Eine extra bestellte „Gegendarstellung“ der religiös-fundamentalistischen Prostitutionsgegner von Solwodi bildet einen weiteren Referenzrahmen der ‚Panorama‘-Redaktion. Solwodi gibt sich verwundert über Doña Carmens „haarspalterische Argumentation im Bereich Menschenhandel“ und darf sich in ihrer Stellungnahme brav für die Panorama-Sendung zur Situation prostituierter Frauen „bedanken“.

Der Bezug auf selbst ernannte Dunkelfeld-Spezialisten von Polizei und katholischen Prostitutionsgegnern, die kein einziges empirisches Argument zur Menschenhandelsproblematik vorzubringen haben und stattdessen einem vorkritischen, unwissenschaftlichen Schätzungs-Diskurs das Wort reden, verdeutlicht, wie wenig ‚Panorama‘ einer aufklärerischen Berichterstattung bezüglich Prostitution verpflichtet zu sein scheint.

Die erneute, um Rechtfertigung bemühte Stellungnahme von ‚Panorama‘, die Tatsache, dass man sich bezüglich der wissenschaftlichen Qualität der strittigen EU-Studie zu Prostitutionsgesetz und Menschenhandel auffallend bedeckt hält, sowie die Tatsache, dass ‚Panorama‘ im Internet eigens einen Blog zum Prostitutionsgesetz eingerichtet hat, in der nun eine Stellungnahme von Doña Carmen veröffentlicht wurde und ein Link zur Website von Doña Carmen gesetzt wurde (http://panorama.blog.ndr.de/2011/10/21/prostitutionsgesetz/), kann zumindest als bescheidener Teilerfolg in dieser Debatte gewertet werden.
(Stellungnahme von Panorama  )